AKUT – GEGEN DAS VERGESSEN – STADT.WAND.KUNST – MANNHEIM

AKUT Gegen das Vergessen STADT.WAND.KUNST

Falk Lehmann alias AKUT hat in den Mannheimer Quadraten ein farbgewaltiges, fast 14 Meter hohes Wandbild mit dem Titel „Gegen das Vergessen“ (LEST WE FORGET) gemalt.

AKUT ist Maler und Fotograf und lebt in Berlin. Er ist international für seinen Fotorealismus bekannt und der „Realist“ hinter den Bildern des Künstlerduos HERAKUT. HERAKUT haben im Jahr 2013 als eine der ersten STADT.WAND.KÜNSTLER an der Stirnseite desselben Gebäudes ihr Werk „My Superhero Power is Forgiveness“ hinterlassen und damit den Beginn von STADT.WAND.KUNST eingeläutet.

STADT.WAND.KUNST verwandelt Mannheim seit 2013 mit mega Fassadenkunst in eine OPEN URBAN ART GALLERY.

Mehr von HERAKUT findest du hier *klick*

LUIGI TOSCANO – GEGEN DAS VERGESSEN – FOTOPROJEKT

Die Vorlage für die Fassade in F6 bilden zwei Porträts aus dem Fotoprojekt „Gegen das Vergessen“ (LEST WE FORGET) des Mannheimer Fotografen und Filmemachers Luigi Toscano.

Luigi porträtiert in seiner Arbeit Überlebende des Holocaust. Bis heute sind dabei mehr als 400 bewegende Porträts entstanden, die in Ausstellungen in Kyiv, New York City, Washington D.C., Berlin und Wien gezeigt wurden. Die Auftaktausstellung fand 2015 in der Alten Feuerwache in Mannheim statt.

STADT.WAND.KUNST hat AKUT und Luigi für die Gestaltung der Fassade zusammengebracht.

DAS MURAL – BELLA SHIRIN UND HORST SOMMERFELD

Die riesenhaften Porträts zweier älterer Menschen schauen mit unergründlichem Blick aus fotorealistischen Augen von oben auf den Betrachter herab. Der Hintergrund flirrt in bunten Neonfarben. Quer über ihren Gesichtern prangen die Buchstaben zweier Zitate. Am unteren Bildrand versammelt sich eine in grau gehaltene Menschengruppe. Eine Person sticht in ikonischer Pose aus der Masse heraus – es ist Luigi Toscano.

Die beiden Hauptpersonen der Fassade sind Bella Shirin und Horst Sommerfeld. Sie sind Überlebende des Holocaust.

Bella: „Wir müssen uns an die Vergangenheit erinnern, aber dürfen nicht in dieser leben.“

Bella wurde als Tochter von Überlebenden der Konzentrationslager Dachau und Stutthof geboren und ist durch die Traumatisierung ihrer Familie ein indirektes Opfer des Holocaust. Ihre Mutter nahm sich im Jahre 1977 das Leben.

Horst: „Ich habe immer in Angst gelebt.“

Horst wurde während des Nationalsozialismus mit seiner Familie nach Ausschwitz-Birkenau deportiert, nachdem er und seine Familie sich zwei Jahren lang in Berlin vor den Nazis verstecken konnten. Er ist das einzige Familienmitglied, das die Grausamkeit des Naziregimes überlebte. Horst lebte sein Leben in Unsicherheit und Angst, die er nie ablegen konnte.

DER BLICK HINTER DEN BLICKEN

Der erster Eindruck des Wandgemäldes, sind die leuchtenden Farben – der zweite Eindruck die beiden Gesichter mit den ausdrucksstarken Augen. Dann kommen die Worte und man beginnt, sich mit dem Bild auseinanderzusetzen – die Gedanken kreisen.

Zuerst war ich sehr fasziniert von dieser Farbexplosion, musste dann aber zu meinem Entsetzen feststellen, dass der Hintergrund des Bildes in keinster Weise ein Grund zur Begeisterung ist. Die daraus folgende Auseinandersetzung mit dem Thema und zu erkennen, dass durch die Darstellung in dieser Weise neue Formen der Aufklärung entstehen können, hat es für mich wieder in etwas Positives verwandelt.  

AKUT schreibt in seinem Blog, „…er habe bewusst bunte und positive Farben gewählt. Normalerweise verwende man Schwarz-Weiß, um Dinge aus der Vergangenheit darzustellen und mit den leuchtenden Farben unterstreiche er die Bedeutung von „Gegen das Vergessen“  und arbeite somit gegen die üblichen Umgangsformen mit diesem Thema.“

Durch dieses riesengroße Mural können die unterschiedlichsten Menschen erreicht werden, die sich vielleicht sonst nicht bewusst mit dem Thema auseinandersetzen würden. Das Thema wird durch die Art der Darstellung und den Ort in einen ganz neuen Kontext gestellt.

UND WO IST DAS JETZT GENAU?

Du findest das Mural in F6, 5-8 | 68159 Mannheim

ACT AGAINST RACISM

AKUT setzt sich auf vielerlei Weise gegen Rassismus ein. Gerade ist sein Videoprojekt „ACT AGAINST RACISM“ am Laufen. Ich nehme selbst auch an diesem Projekt teil und bin sehr gespannt auf das Ergebnis.

Im Video werden Fotografien von mehr als 200 Personen aus aller Welt zusammengefügt. Jede Person hält ein Schild mit einem bestimmten Wort in die Kamera. Mein Wort ist „ACT“. Die Buchstaben wurden von unterschiedlichen Graffitikünstler*innen gestaltet.

Sobald das Video Live ist erfahrt ihr mehr davon auf meinem Blog.

DAS BUNTE UND DAS DÜSTERE

Das Schreiben dieses Artikels hat mich wie auf einer emotionalen Welle hin und her geschleudert. Einerseits ist da die Begeisterung über dieses megatolle Mural und auf der anderen, düsteren Seite überwältigten mich die Schicksale der Beiden, Bella und Horst, und aller anderen Millionen Betroffener und die Unfassbarkeit unserer gemeinsamen, grausamen Geschichte, mit der ich mich während der Recherche zu meinem Artikel beschäftigt habe.

So etwas darf sich nie mehr wiederholen!

Und genau deshalb gibt es Künstler*innen die sich mit diesem Thema auseinandersetzen und es in wunderbare Kunst verwandeln, mit der wir uns auseinandersetzen und von der wir lernen können.

Tausendmal Danke an Luigi, AKUT und STADT.WAND.KUNST !

 

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