JAMES TURRELL UND DAS BADEN-BADENER SPACESHIP

JAMES TURRELL - Substance of Light

Wurdest du jemals von einem Raumschiff entführt und im Weltraum ausgesetzt? Nein? Dann habe ich wohl richtig Glück gehabt, als ich vor einiger Zeit mit dem Plan nach Baden-Baden reiste, James Turrells Ausstellung „Substance of Light“ im MUSEUM FRIEDER BURDA zu besuchen und dabei direkt im Weltraum landete.

James Turrell (*1943, in LA) ist ein US-amerikanischer Installations- und Land Art Künstler, der fantastische Kunstwerke aus Licht und Raum erschafft.

Die Ausstellung in Baden-Baden zeigte Werke aus verschiedenen Schaffensphasen James Turrells. Der Schwerpunkt lag dabei auf seinen berühmten Lichtinstallationen. Gezeigt wurden aber auch einige seiner großartigen Hologramme und Drucke (Aquatinta Radierungen).

Das MUSEUM FRIEDER BURDA scheint der perfekte Ort für eine Ausstellung von Turrells kosmischer Kunst zu sein, denn das Museum selbst wirkt mit seiner grell-weißen und luftig-modernen Architektur wie eine Raumstation. Mehrere Ebenen die durch Rampen verbunden sind und ein lichtdurchflutetes Atrium.

EIN TRIP ZU GANZFELD APANI

Mit einem Audioguide bewaffnet startete ich meine Reise in den Weltraum. Die erste Herausforderung auf meiner Reise war der stockdunkle Korridor (ich liebe die totale Dunkelheit – NICHT), den ich durchqueren musste, um „Ganzfeld Apani“ zu erreichen.

„Ganzfeld Apani“ ist eine Lichtinstallation, in der Turrell eine Illusion des totalen Verlusts der Tiefenwahrnehmung erzeugt. Nach einigen Minuten in diesem, mit wechselnden Lichtfarben gefüllten Raums, fühlt man sich, als würde man in einem Raum aus Farbe schweben, sanft von weiß nach rosa schwimmen, während zugleich alle Konturen um einen herum verschwinden.

BEGEGNUNG MIT DEM ÄTHERISCHEN WESEN

Beim Betreten des nächsten Raumes (nachdem ich mich vorsichtig tastend durch einen weiteren dunklen Korridor bewegt hatte) gelangte ich in das großartige “Wedgework No.VI”.

Es schien, als wäre da ein Raum, der leise hinter einem durchsichtigen Vorhang schimmert und ich hatte das Gefühl, das Heim eines ätherischen Wesens aus einer anderen Welt zu betreten. Die Illusion von Raum wurde durch Oberflächen aus projiziertem Licht erzeugt.

Vor diesem Geisterhaus gab es eine Bank, auf der du sitzen und auf die Rückkehr des Wesens warten konntest. Langsam fühlst du wie du innerlich ruhiger und ausgeglichener wirst und du nur noch sitzen, schauen und warten möchtest.

So völlig entspannt verließ ich das “Wedgework No.VI”, um mit dem Space Elevator des Museums in das obere Stockwerk zu gelangen, wo „Dasube (Dual Shallow Space)“ auf mich wartete.

Auf meinem Weg schlenderte ich an einer Reihe von Turrells Drucken vorbei. Diese Drucke sind schwarze Aquatinta Radierungen der Reihe „First Light“. Turrell hat geometrische, dreidimensionale Formen herausgearbeitet, die im Bild zu leuchten und zu schweben schienen. Ich war wirklich beeindruckt, da ich bisher nicht wusste, dass er auch diese Art von Kunst macht. Ich liebe es sehr!

ZWISCHENLANDUNG AUF DEM RODEN-KRATER

Auf meinem Weg ging ich an einem Raum vorbei, in dem James Turrells riesiges Projekt „Roden Crater“ vorgestellt wurde.

Der Roden-Krater ist ein erloschener Vulkan, der in der Wüstenregion von Nord-Arizona liegt. Seit den 1970er Jahren verwandelt James Turrell diesen Krater in ein weitläufiges Kunstwerk, das aus mehreren unterirdischen Räumen besteht, die durch ein inneres Tunnelsystem miteinander verbunden sind. Durch Richtung Himmel gewandte Öffnungen scheint das Licht verschiedener Himmelskörper in die Räume und erzeugt im Inneren Formen aus Licht. Die Lichtatmosphäre im Inneren der so genannten „Skyspaces“, variiert ständig aufgrund der wechselnden Positionen von Sonne und Mond und bestimmter Planetenkonstellationen. Es ist ein riesiges Projekt, das den gesamten Vulkan durchdringt. Ich hoffe, dass er eines Tages für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird und ich den Roden Krater besuchen kann.

DASUBE (DUAL SHALLOW SPACE CONSTRUCTION)

Aber kommen wir zurück zum magischen „Dasube“ (Dual Shallow Space Construction).

Die Lichtinstallation bestand aus einem großen Raum mit zwei sich gegenüberliegenden leuchtend farbigen Flächen. Riesige Flächen aus Licht und Farbe die den gesamten Raum und alles darin in sich eintauchen.

Die Farben schimmern und vibrieren, wechseln von blau über rot zu rosa und ich fühle mich glücklich und beschwingt. Ich stehe einfach nur da, schaue und staune. Die lebhaften Farben beeinflussen meine Wahrnehmung. Die weißen Wände am Eingang, die zum Korridor führen, erscheinen plötzlich in einem diffusen flaschengrün. Sind sie weiß, sind sie grün? Aufgeregtes Gemurmel, nacheinander ziehen die Besucher ihre Handys heraus, um den Moment einzufangen, das Grün der Türen im Kontrast zum roten Raum. Das „Dasube“ ist wirklich atemberaubend und faszinierend.

Ich bin völlig geflasht als ich den Raum verlasse. Begeistert von den nun grünen, ehemals weißen Wänden des Korridors. Da sprechen mich plötzlich zwei Besucher an: „Suchst du auch das Grün?“. „Das Grün? Aber es ist doch hier überall um uns herum.“, antworte ich. Und plötzlich bemerke ich, wie das fluoreszierende Grün des Korridors langsam verblasst und sich wieder in die bekannte, weiße Wandfarbe verwandelt. Während ich verwundert blinzle, denke ich: „Das hier ist wirklich nicht von dieser Welt“, … und da spuckt mich das Raumschiff auf der Erde aus.

DAS ENDE

Um es kurz zu machen: Der Trip zu James Turrells Ausstellung „Substance of Light“ im MUSEUM FRIEDER BURDA war wirklich sehr beeindruckend und von nun an werde ich immer den Daumen raushalten, wenn es eine James-Turrell-Ausstellung gibt, ganz sicher!

 

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