INSANE51 UND DIE 7 TODSÜNDEN | METROPOLINK 2021

INSANE51 | LUST | METROPOLINK 2021

Stathis Tsavalias aka INSANE51 aus Athen hat uns in diesem Jahr die Ehre erwiesen und im Rahmen des METROPOLINK Festivals das Mural „LUST“ (engl. für Wollust), eine der sieben Todsünden, im wunderschön pittoresken Stadtteil Neuenheim hinterlassen. Mehr über das diesjährige Festival kannst du auch hier lesen.

DIE 3. DIMENSION | MEDIZINTECHNOLOGIE LIVE AN DER WAND

INSANE51s dreidimensionale Murals sind in der Street- und Urban Art einzigartig. Durch Überlagerung zweier fotorealistischer Bilder in Rot und Blau zeichnet er überdimensionale Röntgenaufnahmen.

Gewissermaßen Medizintechnologie live an der Wand. Perfekt für Heidelberg, das eine der ältesten und international renommiertesten Medizinfakultäten Deutschlands beherbergt. Die Ruprecht-Karls-Universität ist mit ihrer Gründung im Jahr 1386 zudem die älteste Universität Deutschlands!

Mit 15 Jahren begann Stathis mit dem Graffiti Writing und studierte später an der Athens School of Fine Arts angewandte Kunst und Grafik. Sein ausgesprochenes Ziel war und ist es, mit seinen Skills etwas Innovatives und Einzigartiges zu erschaffen. Irgendwann hat er damit begonnen seine 3D Brille zu verwenden, um anaglyphische Pieces zu üben. Anaglyphische Bilder sind vereinfacht erklärt 3D Bilder, die durch die Überlagerung zweier, in unterschiedlichen Komplementärfarben eingefärbter Teilbilder entstehen. Hier Rot und Cyan. Mit dem Blick durch eine 3D Brille werden die Teilbilder getrennt und der 3D Effekt gezaubert.

INSANE51s Bilder findest du an Wänden und in Galerien überall auf der Welt.

LUST | DIE ZWEITE DER TODSÜNDEN

Thema seiner Arbeit in Heidelberg sind „The 7 Deadly Sins“, „Die 7 Todsünden“. Eine Serie, die er in verschiedenen Ländern realisiert. Das Motiv in Heidelberg thematisiert die Zweite der Todsünden: die Wollust. So auch der Titel „LUST“. Sie ist nach „PRIDE“, welche er in Athen realisiert hat, die zweite Wand der Serie.

Während des diesjährigen METROPOLINK-Festivals hatte ich das Glück, Stathis an seiner Wand zu treffen und ihm einige Fragen zum Hintergrund und Entstehungsprozess zu stellen.

Stathis entwirft das Motiv zuerst digital und bringt es dann in mehreren Steps an die Wand. „Die Reaktionen der Anwohner:innen während des Entstehungsprozesses waren sehr unterschiedlich.“ erzählte er mir. „Zu Anfang, als nur die Umrisse des Motivs zu erkennen waren, empfanden die meisten Anwohner:innen und Passant:innen das Bild als sehr düster und unheimlich.“ Als dann aber der Hintergrund in Grau und Schwarz hinzukam und die erste Layer des Motives in Blau, waren sie begeistert.

Bei unserem Treffen hatte er mit der letzten Layer, dem Skelett in Rot, noch nicht begonnen. Er sei gespannt, wie danach die Reaktionen ausfallen, schmunzelt er. Generell findet er es großartig, den direkten Austausch mit den Anwohner:innen haben zu können und sie in seinen Arbeitsprozess zu involvieren.

DIE SYMBOLIK DAHINTER

Das Bild verbirgt so einiges an Symbolik, die für den Betrachter:innen im ersten Moment nicht ersichtlich ist. Im oberen Teil des Murals sieht man beispielsweise einen blauen Punkt, er symbolisiert die Farbe, die die jeweilige Sünde repräsentiert. Blau = Wollust, Grün = Neid, Violett = Stolz, usw.

Nach römisch-katholischer Lehre folgt auf jede der sieben Sünden eine bestimmte Bestrafung in Form von Folter. Die Folter für die Wollust ist der Tod durch Flammen und Schwefel. In INSANE51s Bild wird sie durch graue Rauchschleier dargestellt, die sich um den Kopf des Sünders schlängeln.

Um in den vollen Genuss der 3D Wand zu kommen, kann man sich auf Stathis Instagramprofil „insane51“ einen Filter laden, der eine analoge 3D-Brille simuliert. Unbedingt ausprobieren!

Ein großartiges Stück Street Art in meiner kleinen Stadt. Ich bin schon ein wenig stolz darüber.

DER WOLF UND DIE 7 GEISSLEIN

Manch eine:r hätte sich wohl im Nachhinein lieber den Wolf und die 7 Geißlein anstatt INSANE51 und die 7 Todsünden gewünscht. Ein Thema über das sich hervorragend diskutieren lässt.

Ich selbst habe auch schon mit verschiedenen Leuten vor der Wand gestanden, das Bild betrachtet, analysiert und mich mit ihnen darüber ausgetauscht. Festgestellt habe ich dabei, dass das Bild auf den ersten Blick natürlich bedrohlich wirkt. Bei näherer Betrachtung und wenn man mehr über den Hintergrund und das Thema erfährt, seinen „Schrecken“ verliert und man einen differenzierten Zugang dazu bekommen kann.

Also nichts wie hin!

DER WEG DAHIN

 

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